Uwe Mazura spricht Klartext und bringt auf den Punkt, was Deutschland kaputtmacht

Der Standpunkt zur neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) des Hauptgeschäftsführers beim Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie

04.08.2026

Ein Beitrag vom
Matratzenverband

Heureka - die EU hat eine neue Methode entdeckt, Ressourcen zu schonen: Sie verschwendet Papier. 237 Seiten umfasst das neue Regelwerk zur Verpackungsverordnung nebst Verpackungs-Durchführungsgesetz, das ab August 2026 gilt. Das Ziel einer verbesserten Kreis­lauf­wirtschaft dient dabei nur noch als ökologische Kulissenschieberei. Tatsächlich mutieren die Regulierungen zur vollständigen administrativen Rasterfahndung verdächtigter Unternehmen. Zu den ohnehin end- und planlosen Pflichtenheften bei Nachhaltigkeit und Produktsicherheit gesellt sich nun das vollkommene Protokoll. 

Für jede einzelne Verpackungsart muss eine Konformitätserklärung eingeholt werden. Jede Banderole, jeder Plastikaufhänger, jeder simple Versandkarton benötigt künftig einen eigenen detaillierten juristischen Stammbaum in Form einer Konformitätserklärung. Wer gesetzeskonforme Materialien nutzt, wird – Überraschung – nicht belohnt, sondern mit zusätzlichem Schreibkram bestraft und belastet. 

So wird der Mittelstand de facto zur unbezahlten Schreibstube der Umweltbehörden degradiert. Die eigentliche Verordnung liest sich dabei wie ein Kryptotext, dessen Entschlüsselung nur gelingt, wenn man das amtliche Codebuch gleich mitstudiert und verinnerlicht. Wenn der Gesetzgeber zu seinem Werk eine solche „Lese- und Verständnishilfe“ mitliefern muss, ist das ein amtlich testierter Offenbarungseid. Statt eindeutiger Definitionen schnitzt die Kommission juristische Schattengewächse wie den „Erzeuger“. 

Wer sein Firmenlogo auf einen Karton druckt, könnte plötzlich für dessen Konstruktion haften. Er muss Daten zu Materialkomponenten vorweisen, die er nicht kennen kann, die er aber über Verträge bei seinen internationalen Zulieferern einzutreiben hat. Die bekannte Brüsseler Laborperspektive blendet die Realität globaler Lieferketten vollkommen aus. Während asiatische Konkurrenten ihre Produkte ungehindert auf den europäischen Markt pumpen, legt man heimischen rechtstreuen Betrieben juristische Daumenschrauben an. 

Der Versuch, den Planeten mit Zertifikaten ökologisch zu retten, bestraft ausgerechnet die gesetzestreuen europäischen Vorreiter. Es ist so, als ob man eine sündhaft teure Filteranlage für den heimischen Gartenschlauch installieren muss, während an den Außengrenzen die Dämme brechen. 

Das Resultat ist ein staatlich verordnetes Beschäftigungsprogramm für Compliance-Abteilungen, die der Mittelstand gar nicht hat. Anstatt Abfall zu reduzieren, stapeln wir Aktenordner. Bürokratie recycelt keinen Müll, sie hinterlässt aber leider toxische juristische Altlasten. Wer Unternehmen mit unklaren Definitionen stranguliert und den Fokus von der Innovation auf die reine Fehlervermeidung verschiebt, betreibt keinen Umweltschutz. Er ruiniert den Wirtschaftsstandort durch administrative Schikane. Aber „wait“ – Trost bleibt für den Mittelstand im Sinne der europäischen Logik: Wer das Monstrum ausschließlich am Bildschirm studiert, hat immerhin erheblich viel Papier gespart.